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Ethische Verantwortung beginnt bei der Planung von Studien

06.12.2018

Deutsche Gesellschaft für Psychologie veröffentlicht Empfehlungen für „Ethisches Handeln in der psychologischen Forschung“

Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) hat Empfehlungen für „Ethisches Handeln in der psychologischen Forschung“ veröffentlicht. Die Empfehlungen richten sich an Forschende, Studierende und Lehrende aus allen Bereichen der Psychologie, und damit auch an Antragstellende und Begutachtende in Ethikkommissionen. „Qualität in der psychologischen Forschung kann nur dann gewährleistet sein, wenn sie ethischen Prinzipien folgt“, sagt Birgit Spinath, Präsidentin der DGPs. „Mit unseren Empfehlungen setzen wir ein Zeichen für Qualitätssicherung und bieten Forschenden eine klare Orientierung für ihren Forschungsprozess.“

Welche Auswirkungen hat die Nutzung von Smartphones auf die Stimmung von Jugendlichen? Wie gut können wir unliebsame Gewohnheiten verändern? Ab wann verstehen Babys unsere Sprache? Wie verändern sich unsere Emotionen im Alter? Diese und ähnliche Fragen berühren den Kern psychologischer Forschung: das Erleben und Verhalten des Menschen. „Psychologische Forschung ist in den allermeisten Fällen auf die Teilnahme von Menschen als ‚Untersuchungsobjekt‘ angewiesen. Wir Forschenden tragen die Verantwortung dafür, dass unsere Versuchspersonen respektvoll behandelt werden und durch die Untersuchungen keinen Schaden nehmen“, erklärt Annette Schröder, Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Koblenz-Landau und Zweite Vizepräsidentin der DGPs.

Im Forschungsprozess beginnt diese Verantwortungsübernahme bereits bei der Studienplanung: Wer muss bei Untersuchungen mit Jugendlichen zur Smartphone-Nutzung und Stimmungsbeeinflussung einwilligen – nur die Jugendlichen selbst, nur die Eltern, oder beide? Gibt es Risiken bei der Teilnahme an bestimmten psychologischen Experimenten, zum Beispiel durch das Ausfüllen von Selbsteinschätzungsfragebögen – und falls ja, muss man darüber aufklären?„Wir haben das Wissen über gute ethische Forschungspraxis in unseren Empfehlungen gebündelt“, sagt Annette Schröder. Auf Basis der bereits 2004 formulierten berufsethischen Richtlinien, die Leitlinien sowohl für die berufliche Praxis als auch für die Forschung formulieren, behandelt die Broschüre vor allem die ethischen Prinzipien, die in der Forschung mit Menschen relevant sind. „Neben einer Reihe von Good Practice-Beispielen für ethische Entscheidungen bieten wir unseren Forschenden auch konkrete Hilfestellungen durch Checklisten und Musterbeispiele an, die sie für ihre Ethikanträge nutzen können“. In den Empfehlungen werden vier international anerkannte elementare Prinzipien beschrieben, nach denen ethisch vertretbare Forschung erfolgen sollte:

  1. Respekt vor Selbstbestimmung: Die Freiwilligkeit der Teilnahme von Versuchspersonen muss in allen Phasen und Teilen einer wissenschaftlichen Untersuchung respektiert werden.
  2. Nichtschädigung: Die Privatsphäre von Versuchspersonen muss gesichert werden und erhaltene Informationen müssen vertraulich behandelt werden.
  3. Fürsorge: Die Würde und Integrität von Versuchspersonen muss gewahrt werden.
  4. Gerechtigkeit: Versuchspersonen müssen fair behandelt werden.

Die Empfehlungen der DGPs verdeutlichen, unter welchen Bedingungen eine Studie als ethisch unbedenklich einzustufen ist. Dazu werden insbesondere auch die Kriterien transparent gemacht, die bei der Beurteilung von Anträgen von der Ethikkommission der DGPs angelegt werden. Sie dienen dadurch als Unterstützung für Antragstellende und für Vertreterinnen und Vertreter lokaler Ethikkommissionen an den Universitäten.

Die Originalpublikation finden Sie hier:

https://www.hogrefe.de/shop/ethisches-handeln-in-der-psychologischen-forschung-75906.html

Kontakt bei Rückfragen:

Prof. Dr. Annette Schröder
Professur für Klinische Psychologie und Psychotherapie
Universität Koblenz-Landau
E-Mail: schroede@uni-landau.de

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