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Open Data braucht eine »Veränderung der Forschungskultur«

07.07.2017

Workshop zum Forschungsdatenmanagement der DGPs und des ZPID

Abbildung Michael Bosnjak

Knapp 50 zumeist junge Wissenschaftler sind am Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) in Trier zusammengekommen, um sich über Forschungsdatenmanagement auszutauschen. Der zweitägige Workshop war vom ZPID und der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) organisiert worden.

Michael Bosnjak, neuer Direktor des ZPID, eröffnete die Veranstaltung mit einem Statement über »The 7 Deadly Sins of Psychology« (2017) von Chris Chambers, der Verfehlungen der Psychologie zusammengefasst hat.

Der Workshop fokussiere quasi auf zwei von Chambers’ Punkten, nämlich »Data Hoarding« und »Bean Counting«, sagte Bosnjak. Ein Plädoyer für das Bereitstellen von Forschungsdaten. Erich Weichselgartner, stellvertretender wissenschaftlicher Leiter des ZPID, betonte, wie wichtig dabei Standards seien, um die Daten auch in Zukunft noch lesen zu können.

Abbildung Teilnehmer des Workshops

Die DGPs hatte 2016 empfohlen, in der Psychologie auf ein offenes und nachhaltiges Datenmanagement hinzuarbeiten. DGPs-Schriftführer Mario Gollwitzer erläuterte in Trier den Stand der Dinge. »Die Empfehlungen waren ein erster Aufschlag, es ist alles noch im Fluss«, sagte er. Man müsse erst einmal sehen, ob die Empfehlungen funktionierten und möglicherweise nachjustieren.

Eines stellte er klar heraus: »Es geht nicht darum, Daten bereitzustellen, um überprüft zu werden, sondern um sie zu teilen.« Ein kritischer Punkt. Nicht jeder Wissenschaftler sieht das so. Mancher, wie in der Diskussion deutlich wurde, empfindet das Bereitstellen als »soziale Kontrolle«.

Stefan Koch von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) räumte mit einer weiteren Unsicherheit auf: »Das Fließen von Fördermitteln hängt nicht von der Bereitstellung von Daten ab«, sagte Koch. Die DFG mache keine Vorschrift, sie frage, wie Daten bereitgestellt würden, wenn der Forscher das beabsichtige.

Forschungsdaten und Rechte

Daten teilen oder nicht? Das ist auch Einstellungssache, nämlich das Befürworten von Open Science. »Und das braucht eine Veränderung der Forschungskultur«, wie Anna Baumert vom Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern es nannte.

Wer hat überhaupt die Rechte an Forschungsdaten? Wer unter welchen Umständen welches Recht an Forschungsdaten geltend machen kann, erläuterte Benjamin Raue, Professor für Zivilrecht an der Universität Trier.

Abbildung Stefan Koch

Am zweiten Tag des Workshops wurde es praktisch. Während Anna-Lena Schubert aufzeigte, wie Open-Science-Praktiken bereits in die Lehre aufgenommen werden können, wurde von Samuel Merk demonstriert, wie reproduzierbares Datenmanagement im freien Statistikystem R unterstützt werden kann. Zum Abschluss konnten die Teilnehmer das FDM-Tool DataWiz ausprobieren, das das ZPID entwickelt. Wissenschaftlern soll es erleichtern, ihre Daten zu verwalten.

Viele Workshop-Teilnehmer lobten, dass die vielfältigen Perspektiven verschiedener Stakeholder, die beim Forschungsdatenmanagement eine Rolle spielen, in Trier zur Sprache kamen. Darüber hinaus wurde positiv hervorgehoben, dass nicht nur theoretisch, sondern auch praktische Datenmanagement-Lösungen geboten wurden.

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