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Lebenszufriedenheit: Selbstvertrauen, Tatkraft und zwischenmenschliche Werte machen glücklich

25.11.2014

Höher, schneller, weiter… Nach den Maßstäben der Leistungsgesellschaft kann nur glücklich und zufrieden sein, wer solche Werte verfolgt. Eine aktuelle Studie kommt nun aber zu anderen Erkenntnissen.

Tatsächlich kommt es für die Lebenszufriedenheit eines Menschen nicht so sehr darauf an, ob er nach Macht oder Status strebt. Entscheidend ist vielmehr, dass er zwischenmenschliche Werte vertritt und diese aktiv verfolgt. Zu diesem Ergebnis kommt die Sozialpsychologin Andrea Abele-Brehm, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, in einer Studie, die jetzt in der Fachzeitschrift Frontiers in Psychology erschienen ist. In der international angelegten Online-Befragung untersuchte die Erlangener Professorin die Lebenszufriedenheit von Deutschen und Russen. Insgesamt 201 deutsche und 328 russische Teilnehmer wurden zu ihren Wertvorstellungen, ihren Persönlichkeitseigenschaften und ihrer Lebenszufriedenheit befragt.

Erfolg allein macht noch nicht glücklich

Bei der Befragung kam heraus, dass sich insbesondere zwischenmenschliche Werte wie Vertrauen oder Hilfsbereitschaft positiv auf die eigene Lebenszufriedenheit auswirken. Materielle Werte wie etwa Wohlstand oder Status haben dagegen keinen unmittelbaren Einfluss auf die Lebenszufriedenheit. Zwischenmenschliche Werte tragen vor allem dann zur Lebenszufriedenheit bei, wenn eine Person sich als eigenständig wahrnimmt, aktiv handelt und darauf vertraut, dass sie aus eigener Kraft ihre Ziele erreichen kann.

Ähnliche Befunde für Deutschland und Russland

Die Menschen einer Kultur haben ein gemeinsames Wertesystem, das ihr Verhalten und Empfinden bestimmt. Dennoch gelten die gefundenen Zusammenhänge nicht nur für das individualistisch geprägte, wohlhabende Deutschland, sondern zeigen sich auch im kollektivistisch geprägten, ökonomisch ärmeren Russland. Dieser Befund unterstreicht zusätzlich die interkulturell gültige Bedeutung zwischenmenschlicher Werte für die Lebenszufriedenheit.

In beiden Ländern sind es übrigens die Frauen, die zwischenmenschliche Werte stärker verfolgen als Männer. Während es bei der deutschen Stichprobe darüber hinaus aber keine geschlechtsspezifischen Unterschiede gibt, zeigt sich bei den russischen Befragten, dass Frauen sich selbst stärker zwischenmenschliche Persönlichkeitseigenschaften wie Wärme, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft zuschreiben als die befragten Männer.

„Zusammengefasst zeigt die Studie: glücklich ist, wer tatkräftig ist und gibt! Materielle Werte sind keinesfalls 'des Teufels', aber sie tragen zur Lebenszufriedenheit weniger bei als Vertrauen, Freundschaft und Hilfsbereitschaft“, sagt Andrea Abele-Brehm. „Dieser Zusammenhang scheint relativ unabhängig vom tatsächlichen Wohlstand einer Gesellschaft zu sein.“

Ansprechpartnerin für die Presse:

Anne Klostermann
Referentin für Öffentlichkeitsarbeit
Marienstr. 30
10117 Berlin
E-Mail: klostermann@dgps.de
Tel.: 030-28047718

Die Originalstudie finden Sie hier.
Abele, A.E. (2014). Pursuit of communal values in an agentic manner: A way to happiness? Frontiers in Psychology.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Andrea Abele-Brehm
Präsidentin Deutsche Gesellschaft für Psychologie
Lehrstuhl Sozialpsychologie
Bismarckstr. 6
91054 Erlangen
Tel.: 09131 8522307
E-Mail: andrea.abele-brehm@fau.de

DGPs-Pressemitteilung___25-11-2014.pdf

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