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DGPs fordert mehr Qualität bei Gutachten im Familienrecht

30.06.2014

In einer kürzlich abgeschlossenen Studie wurden gravierende Qualitätsmängel familienrechtspsychologischer Gutachten aufgedeckt. Am eklatantesten stachen die mangelnde psychologische Fundierung des gutachterlichen Vorgehens und der Einsatz fragwürdiger Diagnoseinstrumente hervor. Anlässlich einer Besprechung im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz am 8. Juli 2014 zur Qualität von Gutachten im Familienrecht fordert Prof. Jürgen Margraf, Präsident der DGPs, den Vorschlag einer verpflichtenden Zertifizierung zum Fachpsychologen für Rechtspsychologie zu diskutieren.

Gravierende Qualitätsmängel

Die Psychologen Prof. Christel Salewski und Prof. Stefan Stürmer von der FernUniversität Hagen untersuchten 116 familienrechtspsychologische Gutachten aus den Jahren 2010 und 2011. Dabei stellte sich heraus, dass viele Gutachten erhebliche fachliche Mängel aufwiesen. So wurden in der Hälfte der Gutachten die gerichtlichen Fragen nicht in psychologische Fragen übersetzt, was aber eigentlich eine notwendige Voraussetzung sein sollte, wie Prof. Salewski erklärt: „Der Gutachter muss die gerichtliche Fragestellung in psychologische Fragen übersetzen und dann geeignete diagnostische Verfahren auswählen, um diese Fragen beantworten zu können.“ In einem Drittel der untersuchten Gutachten wurden außerdem methodisch problematische Diagnoseverfahren eingesetzt, wie z.B. unsystematische Gespräche und Beobachtungen, die nur wenig belastbare Aussagen zulassen.

Verbindliche Weiterbildung zum Rechtspsychologen

Nur ungefähr ein Drittel der Gutachten wurde von zertifizierten Fachpsychologen für Rechtspsychologie BDP/DGPs erstellt. Die Qualität dieser Gutachten war allerdings nachweislich höher als die der anderen Gutachter. Prof. Jürgen Margraf, Präsident der DGPs, fordert daher, „dass Richter bei der Auswahl von Gutachtern ausschließlich auf rechtspsychologisch gut ausgebildete und zertifizierte Psychologen zurückgreifen sollten“. Die Weiterbildung und Zertifizierung in Rechtspsychologie wird seit 1995 erfolgreich von der Föderation Deutscher Psychologenvereinigungen als Zusammenschluss der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) und des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) angeboten.

Mehr Transparenz und interdisziplinärer Austausch zwischen Richtern und Psychologen

Prof. Salewski schätzt die Ergebnisse ihrer Studie aus berufsethischer Sicht als alarmierend ein: „Die Richter stützen ihre Entscheidungen in starkem Maße durch die in den Gutachten ausgewiesenen Empfehlungen. Man darf nicht vergessen, dass hier Kinder involviert sind, über deren weiteres Leben gerichtliche Entscheidungen gefällt werden. Der Gutachter muss daher in seinem Bericht alle Informationen zu seinem Vorgehen eindeutig und ausführlich darstellen. Nur so kann ein ausreichendes Maß an Transparenz und Nachvollziehbarkeit sichergestellt werden.“

Auch eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen Richtern und Psychologen könnte nach Prof. Salewskis Ansicht dazu verhelfen, die Qualität zu steigern: „Ein intensiverer interdisziplinärer Austausch zwischen Richterschaft und Psychologen über den Begutachtungsprozess würde dazu beitragen, dass qualifizierte Gutachten und sorgfältig arbeitende Gutachter künftig besser erkennbar werden.“

Informationen zur Weiterbildung zum Fachpsychologen für Rechtspsychologie BDP/DGPs finden Sie hier:

www.Rechtspsychologie-Weiterbildung.de

Die Originalstudie finden Sie hier:

Salewski, C. & Stürmer, S. (2014). Qualitätsstandards in der familienrechtspsychologischen Begutachtung. Untersuchungsbericht zum Projekt“ Qualitätsmerkmale in der familienrechtlichen Begutachtung“ Fernuniversität Hagen. http://www.fernuni-hagen.de/psychologie/qpfg/pdf/Untersuchungsbericht1_FRPGutachten_1.pdf

Weiterführende Informationen zur Studie:

Prof. Dr. Christel Salewski
Prof. Dr. Stefan Stürmer
Institut für Psychologie
Fernuniversität Hagen
Universitätsstr. 33
58084 Hagen
Tel.: 02331-9874875
E-Mail: christel.salewski(at)fernuni-hagen.de; stefan.stuermer(at)fernuni-hagen.de   

Ansprechpartner für die Presse:

Dr. Anne Klostermann
Marienstr. 30
10117 Berlin
Tel.: 030 - 280 47 718
E-Mail: klostermann(at)dgps.de

 

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