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Weihnachtszeit ohne Stress

13.12.2012

In kaum einer anderen Zeit liegen Anspruch und Wirklichkeit so häufig weit auseinander wie in der Weihnachtszeit. Seit dem Zeitalter der Romantik verbinden wir die Weihnachtszeit mit Besinnlichkeit, harmonischem Familienleben und Gemütlichkeit, während es draußen schneit.

So zeigt es auch die Werbung.

Viele nehmen stattdessen jedoch die (Vor-)Weihnachtszeit als hektisch und stressig wahr: Geschenke sind zu besorgen, Weihnachtskarten zu schreiben, die Feiertage vorzubereiten und berufliche Dinge zu Ende zu bringen. Das Zusammentreffen der Familienmitglieder bleibt nicht immer friedlich und die Wohnung kommt manchem wie ein Gefängnis vor. Wenn die Oma sich nach dem Studienabschluss oder der ersehnten Heirat des Enkels erkundigt, der Schwiegervater sich so schnell wie möglich abseilt, die Kinder von den Weihnachtsriualen genervt sind und die eigene Mutter im Nachhinein gute Ratschläge erteilt – dann kann auch die beste Feiertagsstimmung verloren gehen.

 „Doch viele der Stressfaktoren können entschärft oder vermieden werden. Die wichtigsten Hilfsmittel für eine erfreuliche Weihnachtszeit sind frühzeitige Planung, Verständigung und eine entspannte Einstellung zum Fest“, so der Psychologe Prof. Dr. Gert Kaluza vom Institut für Gesundheitspsychologie Marburg.

Frühzeitige Planung:

Weihnachtsstress entsteht oft dann, wenn zu viel auf einmal ansteht. Durch eine frühzeitige Planung können das Besorgen der Geschenke, das Schreiben der Weihnachtskarten, das Plätzchenbacken, Besuche bei oder von Freunden und Verwandten über die Adventszeit verteilt werden. Berufstätige sollten sich ruhig einen Tag frei nehmen, um Besorgungen in Ruhe zu erledigen. Wer in der Vergangenheit die Vorbereitung des Weihnachtsessens und andere organisatorische Dinge als zu stressig empfunden hat, sollte versuchen, Angehörige oder Freunde frühzeitig einzubinden: Eine(r) hilft beim Essen, eine(r) kümmert sich um Weihnachtsbaum und Schmuck, eine(r) betreut die Kinder und so weiter. Wichtig ist auch, Freiräume für die Feiertagsgesellschaft einzuplanen, etwa für Spaziergänge oder das Lesen von Büchern. Und: Weihnachten muss nicht immer im selben Haushalt gefeiert werden, sondern kann in jedem Jahr bei einem anderen Familienmitglied stattfinden.

Organisation, Krisenthemen und Geschenke: Reden hilft!

Viele stressige Situationen entstehen durch hohe Erwartungen, Missverständnisse und Unausgesprochenes. Dem kann im Vorfeld begegnet werden, indem mit allen Beteiligten über ihre Vorstellungen zum Ablauf der Feiertage gesprochen wird. Auch wenn nicht alle Wünsche erfüllt werden können, dürfte die Weihnachtsgesellschaft insgesamt zufriedener sein, wenn sie einbezogen wird.

Auch bei den Geschenken muss man nicht im Dunkeln tappen: Konkrete Fragen nach Wünschen sind nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen erlaubt. Absprachen helfen auch, die Größenordnungen der Geschenke in einem halbwegs einheitlichen Rahmen zu halten. Grundsätzlich gilt: Reden hilft! Klare, eindeutige Absprachen und Ansagen können Missverständnisse von Vornherein minimieren. Dazu kann auch gehören, Angehörige zu bitten, heikle Themen möglichst nicht anzusprechen.

Entspannte Einstellung:

Wer an Weihnachten in Stress gerät, hat oft den Anspruch, dass die Feiertage „perfekt“ werden müssen. Dabei gilt: Das Weihnachtsfest ist ein denkbar schlechter Zeitraum, um eventuelle Defizite des übrigen Jahres zu kompensieren. Man sollte auch davon absehen, sich über den „Erfolg“ dieser Tage zu definieren. Auch am „Fest der Liebe“ sollte nur mit Wasser gekocht und die Erwartung niedrig gehalten werden. Und wer familiäre Weihnachtstraditionen als unzeitgemäß oder bedrückend empfindet, sollte vielleicht einen sanften Schwenk zu einer anderen Art zu feiern unternehmen. Traditionen können der Orientierung dienen aber niemand sollte sich ihnen bedingungslos unterwerfen. Warum also nicht einmal den Festtagsbraten bei einem Partyservice bestellen oder „nur“ ein kaltes Buffet oder ein einfaches Essen anbieten? Warum nicht vor der Bescherung gemeinsam einen schönen Film ansehen, der nicht nur die Kinder entspannt? Warum nicht zusätzlich Freunde einladen und so eingefahrene Strukturen ein wenig aufbrechen?

Krisensituationen meistern:

  • Wenn trotz aller Vorkehrungen Streit aufkommt, sollte eine unbeteiligte Person den Streit moderieren oder beide Streitparteien bitten, die Auseinandersetzung zu vertagen.
  • Möchte ein Familienmitglied nicht mitfeiern, sollte es nicht dazu genötigt werden, auch wenn es, zum Beispiel den Eltern, schwerfällt.
  • Wer alleine lebt und sich vor Einsamkeit an den Weihnachtstage graust, sollte sich frühzeitig eine Möglichkeit zum Mitfeiern suchen.
  • Und was im Beruf in elf Monaten nicht zu schaffen war, muss nicht unbedingt im Dezember zu Ende gebracht werden, denn der Januar schließt sich nahtlos an.

Wenn es dann doch wieder stressig war:

Im nächsten Jahr einfach schon das ganze Jahr über Augen und Ohren für mögliche Geschenke, Dekorationsideen und andere weihnachtliche Dinge offenhalten und Besorgungen frühzeitig erledigen. Das lindert nicht nur die Hektik, sondern schont oft auch den Geldbeutel, weil vieles vor Weihnachten besonders teuer ist.

Weitere Informationen

www.gkm-institut.de

Kaluza, G. (2012): Gelassen und sicher im Stress. Das Stresskompetenz-Buch. Heidelberg: Springer.

 

Kontakt

www.gkm-institut.de

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