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„TWINLIFE“: Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert Zwillingsstudie zu sozialer Ungleichheit

13.12.2012

 

Wie entwickeln sich soziale Ungleichheiten über die Lebensspanne hinweg? Dieser Frage können Wissenschaftler der Universitäten Bielefeld und Saarbrücken nun in einer auf 12 Jahre angelegten interdisziplinären Längsschnittstudie nachgehen, in der psychologische, soziologische und verhaltensgenetische Forschungsansätze kombiniert werden. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft bewilligte jetzt die entsprechenden Fördermittel in Höhe von vier Millionen Euro für die ersten drei Jahre der Studie.

Die Professoren Martin Diewald und Rainer Riemann von der Universität Bielefeld sowie Frank Spinath von der Universität des Saarlandes werden die zu sozialen Ungleichheiten beitragenden Mechanismen umfassend erforschen. Dabei werden sie psychologische und soziologische Forschungstraditionen mit der Methode der Verhaltensgenetik kombinieren. „Wir werden nicht nur soziale Mechanismen sondern auch genetische Differenzen zwischen Individuen in den Blick nehmen und insbesondere das Zusammenwirken genetischer und sozialer Einflussquellen betrachten“ erläutert Riemann, „zudem stehen die psychologischen Prozesse im Mittelpunkt, welche zwischen Genen und Umwelt vermitteln“.

Jürgen Margraf, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) e.V. begrüßt die Förderung des Forschungsprojektes: „Die Studie ist so umfassend und interdisziplinär angelegt, dass sie uns einzigartige Einblicke in die soziale Entwicklung unserer Gesellschaft ermöglichen wird.“

Soziale Ungleichheit wird dabei in fünf zentralen Lebensbereichen untersucht. Diese sind die Entwicklung von Fähigkeiten und Bildungserfolg, die Beteiligung am Arbeitsmarkt, das soziale Kapital sowie die Integration in soziale Netzwerke und nicht zuletzt die soziale und politische Teilhabe und die Entwicklung von abweichendem Verhalten und von Verhaltensproblemen. „Für die geförderte Studie soll eine repräsentative Stichprobe von 4000 in Deutschland lebenden Zwillingspaaren gewonnen werden. Befragt werden dann die Zwillinge und ihre Eltern, vorhandene Geschwister der Zwillinge und bei den älteren Zwillingen auch deren Partner“ beschreibt Spinath das Vorgehen. In Hausbesuchen und telefonischen Erhebungen werden kurze Tests durchgeführt und Fragebögen bearbeitet. Die Studie umfasst einen breiten Altersbereich, der sich von fünf Jahren bis zum Erwachsenenalter (31 Jahre) erstreckt.

Der resultierende Datensatz wird als „common good“ der internationalen Gemeinschaft der Forscherinnen und Forscher zur Verfügung gestellt. „Dieser Datensatz wird hochwertige Daten enthalten, die in dieser Weise bisher in keiner anderen Studie vorliegen. In Ergänzung längsschnittlicher und verhaltensgenetischer Auswertungen wird ein Schwerpunkt unserer eigenen Analysen auf die theoriegeleitete Überprüfung des Zusammenwirkens genetischer und Umweltfaktoren über die Zeit gerichtet sein“ fasst Diewald die Pläne zusammen.

Kontaktpersonen:

Prof. Dr. Martin Diewald
Universität Bielefeld
Fakultät für Soziologie
Postfach 100131
33501 Bielefeld

T: 0521/1064309 und 0175/5720161
E-Mail: martin.diewald(at)uni-bielefeld.de

 

Prof. Dr. Rainer Riemann
Universität Bielefeld
Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft
Abteilung für Psychologie
Postfach 10 01 31
33501 Bielefeld

T: 0521 106-4529 und 0163 6920412
E-Mail: Rainer.Riemann(at)uni-bielefeld.de

 

Prof. Dr. Frank M. Spinath
Universität des Saarlandes
FR5.3 Psychology
Postfach 15 11 50
66041 Saarbruecken
T: 0681 302 64079

E-Mail: f.spinath(at)mx.uni-saarland.de

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