Mitteilungsdetail

Informationen der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) im Zusammenhang mit dem Schulmassaker in Connecticut

17.12.2012

Wie sollten Eltern auf den Amoklauf reagieren?

Prof. Dr. Silvia Schneider, Lehrstuhl für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie, Ruhr-Universität Bochum:


Wenn Sie als Eltern merken, dass der Amoklauf Ihr Kind beschäftigt, reden Sie mit Ihrem Kind seinem Alter entsprechend darüber.

2.     Dramatisieren Sie nicht, aber zeigen Sie dabei ruhig auch ihre emotionale Betroffenheit.

3.     Beantworten Sie alle Fragen Ihres Kindes und halten Sie an der Alltagsroutine der Familie fest. Ständiges darüber Reden hilft in der Regel nicht.

4.     Machen Sie deutlich, dass Amokläufe extreme Ausnahmen sind, die zum Glück sehr selten passieren.

5.     Vorübergehende Belastungen von Kindern sind normal und gehen von alleine wieder zurück.

6.     Falls Ihr Kind über mehrere Wochen durch den Amoklauf belastet wird, sollten Sie eine professionelle Beratung durch einen Psychologen aufsuchen. 

Hinweise zum Umgang mit Traumatisierungen

"Grundsätzlich geht es bei Traumatisierungen darum, die Selbstheilungskräfte der Betroffenen zu stärken, nichts zusätzlich zu dramatisieren und - mit Blick auf die psychologische Betreuung - nicht zu übertherapieren", so der Psychologe Prof. Dr. Jürgen Margraf. Margraf ist Humboldt-Professor an der Ruhr-Universität Bochum und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs).

Margraf weist in diesem Zusammenhang auf Empfehlungen für den Umgang mit Traumatisierungen hin, die auf aktuellen Forschungen zur Traumatherapie und Posttraumatischen Belastungsstörungen beruhen:

·       Bei den meisten Traumatisierungen nehmen Beschwerden wie Angst, Wiederdurchleben, Vermeidungsimpulse oder Übererregung mit der Zeit ohne jede aktive psychologische Behandlung ab.

·       Die Betroffenen können ggf. zu natürlichen Hilfen ermutigt werden - das heisst, sie können Dinge tun oder Strategien anwenden, die sie bereits in der Vergangenheit als hilfreich erlebt haben. Das kann z.B. sein: Sport treiben, sich intensiv mit Anderem beschäftigen, Alltagsroutinen aufrecht erhalten oder die Situation mit schwarzem Humor zu sehen. Ebenso können die Betroffenen zur Entscheidung ermutigt werden, ob, mit wem und wie sie mit anderen sprechen möchten. Aber: Dies sind keine allgemein gültigen Vorschläge. Die Vorgehensweise muss immer individuell sein. Keine Strategie funktioniert für alle Menschen gleichermassen.

·       Wenn Opfer kurz nach einer Traumatisierung mit professionellen Helfer, also Psychologen, anderen Therapeuten oder Seelsorgern sprechen, sollten diese darauf achten,

o   aktiv und stützend zuhören, nicht nach Details und emotionalen Reaktionen zu bohren.

o   jegliche natürliche Erholung sollte unterstützt und keinesfalls angezweifelt werden. Zu berücksichtigen ist, dass Menschen sehr unterschiedlich sind: manche möchten reden, manche möchten eher schweigen - hier sollte überhaupt kein Druck zu der einen oder anderen Verhaltensweise ausgeübt werden.

·       Sofortige Einmalinterventionen (z.B. Debriefing!) helfen kurzfristig wenig und können langfristig aber schaden. Für Hilfesuchende sollten daher mindestens 2-5 Sitzungen angesetzt werden.

·       Auch Verschlechterungen vorbestehender Symptome klingen meist natürlich ab. Gegebenenfalls sollte die betreffende Person ermutigt werden, Strategien einzusetzen, die in der Vergangenheit geholfen haben.

·       Bei anhaltenden Beeinträchtigungen und Funktionseinschränkungen von mehr als 3 Monaten Dauer besteht ein erhöhtes Risiko für dauerhafte Störungen. In diesen Fällen ist eine spezifische psychologische Behandlung sinnvoll.

Für Medien: Empfehlungen für die Berichterstattung über School Shootings

von Prof. Dr. Thomas Bliesner, Universität Kiel

·       Fokussierung auf die Tatfolgen und Konsequenzen für Täter und Opfer (auch deren Angehörige). Nicht die Tat in den Vordergrund stellen

·       Abstrakte Darstellung des Tathergangs und Tatablaufs. Keine Hinweise auf konkrete Tatabläufe und Täterstrategien oder Startegien der Sicherheitskräfte

·       Vermeidung von Darstellungen, die eine Identifikationen mit dem Täter begünstigen.

·       Anonymisierung des Täters.

·       Keine Darstellung der Täterphantasien (z.B. Skizzen, Tagebücher).

·       Jede Romantisierung und Heroisierung von Tat und Täter vermeiden.

·       Verzicht auf vereinfachende Erklärungen der Handlungsmotive (z.B. er wurde gemobbt).

 

Für Fragen stehen Ihnen folgende Experten zur Verfügung:

Gewalt und Gewaltprävention (auch bei Kindern):

Prof. Bliesener, Uni Kiel

bliesner(at)psychologie.uni-kiel.de

entwpaed.psychologie.uni-kiel.de/index.php/prof-thomas-bliesener.html

Prof. Greve, Uni Hildesheim

www.uni-hildesheim.de/index.php

 

Umgang mit Trauma:

Prof. Dr. Silvia Schneider, Ruhr-Universität Bochum

silvia.schneider(at)ruhr-uni-bochum.de

www.kli.psy.ruhr-uni-bochum.de/kkjp/team.html

 

Dr. Regina Steil, Uni Frankfurt

steil(at)psych.uni-frankfurt.de

 

Prof. Dr. Jürgen Margraf, Ruhr-Universität Bochum, Präsident der DGPs

juergen.margraf(at)ruhr-uni-bochum.de

www.kli.psy.ruhr-uni-bochum.de/ae/deae/prof_dr_Margraf_de.html

 

Medien und Gewalt

Dr. Kai Jonas, Uni Amsterdam

home.medewerker.uva.nl/k.j.jonas/

Dr. Thomas Schäfer, Uni Chemnitz

thomas.schaefer(at)psychologie.tu-chemnitz.de

www.tu-chemnitz.de/hsw/psychologie/professuren/method/homepages/ts/index.html

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