Mitteilungsdetail

Ein Drittel der Deutschen setzt sich über ärztliche Vorgaben hinweg

19.12.2012

Viele befolgen nicht die Anweisungen zur Einnahme von Medikamenten

Ein Drittel der Deutschen kümmert sich häufig nicht um die Vorschriften zur Einnahme von Arzneimitteln. Vor allem jüngere Männer mit überdurchschnittlichem Einkommen setzen sich oft über ärztliche Anweisungen hinweg. Dies müssten Mediziner bei der Verschreibung von Medikamenten beachten, schreibt eine Forschergruppe der Universitäten Marburg und Leipzig unter der Leitung von Dr. Julia A. Glombiewski und Prof.Dr. Elmar Brähler. Sie legten die Ergebnisse einer Untersuchung vor, die erstmals unabhängig von bestimmten Medikamenten- oder Patientengruppen das Nichtbefolgen von Patienteninformationen als Verhaltensmuster bestimmter Bevölkerungsgruppen beschreibt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehört die falsche Anwendung von Arzneimitteln zu den Hauptursachen für Krankheit, Sterblichkeit und hohe Kosten des Gesundheitswesens.


Wer sich an die ärztliche Empfehlung hält ...

Insgesamt 2512 Personen, eine repräsentative Stichprobe der deutschen Bevölkerung, machten Angaben zu ihrer Verwendung von Arzneimitteln. Dabei bekundete nur ein Viertel der Befragten, dass sie sich bei Medikamenteneinnahmen in der Regel an die Vorgaben durch den Arzt oder den Beipackzettel halten.
Am zuverlässigsten befolgen die medizinischen Anweisungen jene Patienten,


  • die Präparate mit geringen Nebenwirkungen einnehmen,
  • die höheren Alters sind,
  • die ein geringeres monatliches Einkommen haben,
  • die weiblichen Geschlechts sind,
  • die gegenwärtig blutdrucksenkende Mittel benötigen
  • die gegenwärtig einen geringen Bedarf an Schmerzmitteln oder Antibiotika haben.

... und wer nicht

Neben Angaben zum Medikamentenkonsum sollten die Befragten in der Untersuchung der Marburger und Leipziger Psychologen bewerten, inwieweit die vier folgenden Aussagen auf die eigene Person zutreffen:


  1. Ich habe ein verschriebenes Medikament verstaut oder weggeworfen, ohne es auszupacken.
  2. Je nach meinem Befinden habe ich die Dosis eines Medikaments ohne Rücksprache mit dem Arzt verändert.
  3. Ich habe die Medikamenteneinnahme früher beendet als der Arzt es empfohlen hat.
  4. Ich habe die Medikamenteneinnahme wegen leichter Nebenwirkungen früher beendet.

Rund ein Drittel der Befragten stimmte diesen Aussagen zu. Sie handeln also häufig gegen die Vorgaben der Arzneimittelverabreichung. Damit liege die Quote in der Gesamtbevölkerung auf einem ähnlichen Niveau wie bei der problematischen Patientengruppe der HIV-positiven Drogenabhängigen, so Dr. Glombiewski. Das Problem der Nichteinhaltung der Einnahme Vorschriften beträfe also keinesfalls nur bestimmte Patientengruppen oder nebenwirkungsreiche Medikamente gegen chronische Leiden.

Besonders häufig verweigern sich jüngere Männer mit überdurchschnittlichem Einkommen den Anweisungen zu den Medikamenten. Dies hängt nach Auffassung der Wissenschaftler auch damit zusammen, dass diese Gruppe seltener ernsthaft oder chronisch krank ist und die Behandlungsdauer in der Regel kurz ist.

Schlußfolgerungen und internationaler Vergleich

„Mit unserer Studie zur Befolgung von Medikationsanweisungen haben wir nun Daten vorgelegt, die sich auf die deutsche Gesamtbevölkerung beziehen“, so die Leiterin der Studie, Dr. Julia A. Glombiewski von der Universität Marburg. „Die Ergebnisse entsprechen Studien zu einzelnen Patientengruppen“, so Glombiewski weiter. Allerdings sei es erstaunlich, dass die Nichtbefolgungsquote in Deutschland nicht geringer sei als in anderen Ländern. Denn während anderswo die Kosten für die Medikamente ein wichtiger Grund für das Absetzen von Medikamenten seien, schlügen die Arzneimittelkosten bei deutschen Patienten gar nicht oder nur in geringem Maße zu Buche.
Aus der Studie lässt sich eine Empfehlung für Ärzte ableiten: diese sollten jeden Patienten beim Verschreiben eines Medikamentes direkt fragen, ob sie Probleme mit Medikamenten-Adheränz hatten oder haben könnten. Im nächsten Schritt sollten Ärzte zusammen mit ihren Patienten überlegen, wie das Problem angegangen werden könnte.

Die Studie wird bei PLOS ONE am 18.12.2012 um 23.00 Uhr CET unter folgendem Link veröffentlicht:

http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0050537

Bitte beachten Sie die Sperrfrist bis zum 18.12.2012, 23.00 Uhr (5 p.m. EST)!

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Weitere Informationen

Kontakt:

Dr. Julia Anna Glombiewski
Philipps-University Marburg
Klinische Psychologie und Psychotherapie
Tel.: 06421-282 3617
Email: glombiew(at)staff.uni-marburg.de

Co-Autor der Studie:

Prof.Dr. Elmar Brähler
Universität Leipzig
Universitätsklinikum
Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie
Tel.: 0341-971 8801
Email: elmar.braehler(at)medizin.uni-leipzig.de

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