Entwicklungspsychologie

Wie verändern wir uns über die Lebensspanne?

Die in der Entwicklungspsychologie forschenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befassen sich mit der Beschreibung, Erklärung und Optimierung von relativ überdauernden intraindividuellen Veränderungen im menschlichen Erleben und Verhalten über die gesamte Lebensspanne hinweg - von der vorgeburtlichen Entwicklung bis ins hohe Alter und zum Tod. Im Mittelpunkt stehen dabei Veränderungen, die sich typischerweise als aufeinander aufbauend verstehen lassen und die in jeder Lebensphase je nach Funktionsbereich, also z.B. im Denken und der Informationsverarbeitung oder in der Wahrnehmung und der Psychomotorik, als Gewinne und Verluste von Fähigkeiten zu verstehen sind.

Solche Veränderungen können in unterschiedlichen Lebensabschnitten auftreten und in ihrem zeitlichen Verlauf zwischen den Menschen variieren. Auch diese interindividuellen Unterschiede in Entwicklungsverläufen werden von Entwicklungspsychologinnen und –psychologen untersucht. Sie berücksichtigen dabei insbesondere, wie Aspekte der biologischen Ausstattung und die jeweilige Umgebung, sowohl im Nahkontext (z.B. Familie, Schule, Kollegen) als auch im weiter gefassten Gesellschaftskontext, die Entwicklung beeinflussen.

Methoden

Längsschnitt-Untersuchungen haben sich in der Entwicklungspsychologie aus zwei Gründen besonders bewährt: Mit ihnen können Entwicklungsverläufe in ihrer Abfolge und ihren interindividuellen Variationen beschrieben werden. Zudem tragen sie den zahlreichen Wechselwirkungen zwischen individueller Entwicklung und kontextuellen Veränderungen angemessen Rechnung. Hierbei werden ausgewählte Aspekte des Erlebens und Verhaltens (und ggf. auch Kontextbedingungen) wiederholt bei den selben Personen und in den selben Kontexten über die Zeit hinweg erfasst. Vielfach liefern Altersvergleiche im Rahmen von Querschnittstudien erste Hinweise auf mögliche Entwicklungsveränderungen. Welche Faktoren die Entwicklung beeinflussen und wie dies geschieht, wird unter anderem anhand von Experimenten, verhaltensgenetischen Studien und Vergleichen mit Primaten untersucht.

In ihren Forschungsmethoden steht die Entwicklungspsychologie in besonderem Maße vor der Herausforderung, Messinstrumente – in diesem Falle Indikatoren - zu entwickeln, anhand derer die Kontinuität in der Veränderung abgebildet werden kann. Wichtig ist dabei, dass mit ihnen auch wechselnde Erscheinungen eines zugrunde liegenden Phänomens erfasst werden können.

Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie, gerade auch jene der Entwicklungspsycho­pathologie zu Beeinträchtigungen und längerfristigen Störungen der individuellen Entwicklung, werden in der Praxis vielfältig genutzt: etwa bei der Gestaltung von Bildungsangeboten, Präventionsmaßnahmen und therapeutischen Interventionen für unterschiedliche Altersgruppen, bei der gerichtlichen Befragung von Kindern und der  Bewertung von deren Zeugenaussagen oder bei der Förderung der Selbständigkeit im höheren Alter.

Fachgruppe Entwicklungspsychologie


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