Zur Null-Objektivität, Null-Reliabilität und daher Null-Validität der "Familie in Tieren"

 

Kubinger, K.D., Schrott, A. & Maitz, P.

(Arbeitsbereich Psychologische Diagnostik am Institut für Psychologie, Universität Wien)

 

Beim Projektiven Verfahren Familie in Tieren (Brem-Gräser, 1995) soll das Kind seine Familie in Tiere verwandelt darstellen. Basierend auf der Annahme, dass das Kind seine Familiensituation in die Tiere projiziert, werden aus der Zeichnung psychoanalytisch determinierte Rückschlüsse auf die Familie gezogen. Im Manual finden sich allerdings keinerlei Angaben zu den Gütekriterien des Verfahrens. Um seine Wiederholungsreliabilität und die Stabilität zu messen, wurden 756 Kinder zwischen 6 und 12 Jahren getestet, und zwar zu je zwei Zeitpunkten (Abstand: 1 Monat), jeweils zweimal unmittelbar hintereinander. Die Zeichnungen wurden nach verschiedenen Kriterien, u. a. nach Art und Größe der Tiere, Blickrichtung, Anordnung und Reihenfolge ausgewertet. Zusammenhänge zwischen den unmittelbar hintereinander erfolgten Zeichnungen zu ein und demselben Zeitpunkt wären ein Indikator für Wiederholungsreliabilität, solche zwischen Zeichnungen zum 1. und zum 2. Zeitpunkt ein Indikator für die Stabilität. Es zeigten sich jedoch keinerlei bedeutsame Zusammenhänge zwischen den vier Zeichnungen eines Kindes. Weiters wurden acht Beurteiler aufgefordert, Spontanhypothesen zu einzelnen Zeichnungen zu generieren, wobei diese zum Teil vom selben Kind stammten - was allerdings den Beurteilern nicht bekannt war. Die Analyse ergab: In nur 0,84% aller Fälle gab es Übereinstimmung, in 18,49% gab es einen "gewissen" Zusammenhang; aber in 80,67% zeigte sich überhaupt kein inhaltlicher Zusammenhang zwischen den Beurteilern.