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Zu Rolle und Aufgaben der DGPs im Bereich Information und Kommunikation (IuK)
Erschienen in: Psychologische Rundschau 48, 224-231.
Michael Stumpf & Hans Spada
Psychologisches Institut der
Universität Freiburg im Auftrag des Vorstands der DGPs
- Elektronische Medien:Werkzeuge und Herausforderungen
- Deutschsprachige Psychologie im WWW: Status quo und virulente Probleme
- DGPs online, der Informationsdienst der DGPs
- Die Expertendatenbank der DGPs
- Mit dem Informationsangebot im WWW zusammenhängende Probleme
- Kooperationen mit anderen Fachgesellschaften im Bereich IuK
- Strategische Planungen der DGPs:Vision für die nächsten vier Jahre
- Literaturverzeichnis
- Fußnoten
1 Elektronische Medien: Werkzeuge und Herausforderungen
Der Einsatz elektronischer Medien in Forschung und Lehre wird im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, in den Fachgruppen und bei den Mitgliedern seit geraumer Zeit diskutiert und zunehmend auch praktiziert. Zur Förderung dieses Werkzeugs, zur Bündelung der innerhalb der Gesellschaft vorhandenen Kompetenzen und zur Erzielung von fächerübergreifenden Synergieeffekten hat der Vorstand der DGPs die folgenden Maßnahmen getroffen:
- Es wurde eine Kommission einberufen, die in Absprache mit dem Vorstand innerhalb der DGPs für die weitere Fortschreibung und Umsetzung der Planungen im Bereich Information und Kommunikation (IuK) zuständig ist;
- die DGPs hat einen zwischenzeitlich positiv beschiedenen Antrag auf Teilnahme an der Kooperationsvereinbarung der wissenschaftlichen Fachgesellschaften zur elektronischen Information und Kommunikation (Wissenschaftliche Fachgesellschaften, 1995a) gestellt.
Der vorliegende Text stellt den aktuellen Planungsstand vor und ist als Diskussionsgrundlage gedacht; Anmerkungen können elektronisch angefügt oder den Autoren per E-Mail zugeleitet werden.
Die DGPs ist im Bereich IuK gefordert, da satzungsgemäß wesentliche Ziele die Förderung der intradisziplinären Kommunikation innerhalb der Psychologie und die Information der Öffentlichkeit über Stand und Entwicklung der Psychologie sind. Auch im Bereich der wissenschaftlichen Psychologie werden zur Kommunikation und für den Austausch von Informationen zunehmend elektronische Medien eingesetzt. Vorreiter sind dabei die elektronische Post (E-Mail) sowie andere Teilbereiche computervermittelter Kommunikation (s.a. Scholl, Pelz & Rade, 1996). Aber auch im Bereich Literaturrecherche dominieren vielfach elektronische Medien; traditionsreiche Datenbanken wie Psyndex, PsycLIT und Medline sind mittlerweile durch lokale Rahmenverträge oft über lokale Netzwerke oder via Internet zugänglich (s. z.B. Stumpf, 1994), zumal die mit dem Zugang zum Internet verbundenen technischen Probleme bald flächendekkend gelöst sein dürften (Deutsche Forschungsgemeinschaft [DFG], 1996; Ministerium für Wissenschaft und Forschung [MWF], 1995; Bayerisches Staatsministerium für Unterricht, Kultus, Wissenschaft und Kunst, 1995).
Insbesondere seit der Zusammenführung bereits bestehender und der Integration neuer elektronischer Dienste im sog. World-Wide Web (WWW; Berners-Lee, Cailliau, Groff & Pollermann, 1992) erhält das Internet eine immer stärkere Bedeutung als Basis der dadurch möglichen vielfältigen Dienste (s. Stumpf, 1993) ist es praktisch nicht mehr aus der Forschungslandschaft wegzudenken und stellt daher trotz gewisser Mängel einen de-facto-Standard dar (Batinic, 1997). Kelley-Milburn & Milburn (1995) stellen dazu fest: "The Internet is becoming an increasingly important resource for research in psychology ... The potential of the Internet to facilitate research is just beginning to be realized" (S. 211). Wichtige Aspekte sind dabei
- die Nutzung als Kommunikations- und Informationsmedium, Möglichkeiten
- für den Einsatz als pädagogisches Medium und
- für die Durchführung von Experimenten und Befragungen sowie für Beratungen (Walbott, 1997).
Neben der allgemeinen Förderung der Verbreitung von Informations- und Kommunikationstechniken sollte sich die DGPs daher besonders um die Unterstützung des Angebots und der Nutzung von Informationen im WWW bemühen. Von diesen Entwicklungen können konkret sowohl der Bereich Forschung (z.B. Austausch von grauer Literatur, Information über die Arbeiten von Kolleginnen und Kollegen, gemeinsame Daten- und Informationsbestände) wie auch der Bereich Lehre (z.B. Austausch von Lehrmaterialien, Angebot ergänzender Materialien für die Studierenden) profitieren. Der vorliegende Beitrag bezieht sich vor allem auf diese asynchrone Form des Informationsaustauschs im WWW und hier speziell auf mittelfristig zu erwartende Anforderungen, Probleme sowie entsprechende Lösungsansätze.
2 Deutschsprachige Psychologie im WWW: Status quo und virulente Probleme
Die derzeitige Situation bzgl. psychologischer Informationsangebote im WWW ist dadurch gekennzeichnet, daß die Mehrzahl der psychologischen Institute mit eigenen Angeboten im Internet vertreten ist (Hahn, 1997). An mehreren Instituten gibt es außerdem z.T. seit längerem lokale Aktivitäten, die eine Reihe relevanter, ortsübergreifender Informationen im WWW präsentieren. Daneben verbreiten kommerzielle (z.B. Web.De, halbkommerzielle (s. z.B. psy.ch und psychologie.de sowie vorwiegend informationstechnisch orientierte (z.B. Universität Karlsruhe) Anbieter Informationen für den Bereich Psychologie. Einige wenige Aktivitäten aus dem insgesamt schon recht umfangreichen Angebot sollen hier stellvertretend genannt werden:
- Eine engagierte Gruppe um Joachim Funke (jetzt Heidelberg), Thomas Krüger, Ralf Ott u.a. am Psychologischen Institut der Universität Bonn betreibt seit Frühjahr 1995 einen WWW-Server, über den neben vielen anderen Informationen ein Verzeichnis der Psychologischen Institute in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie ein Veranstaltungskalender und eine Übersicht über die online verfügbare psychologische Literatur zugänglich sind.
- Am Institut in Gießen finden sich die von Bernard Batinic (vgl. Batinic, 1997) betreuten "Gießener Fragebogenseiten" mit Hinweisen zu Datenerhebungsverfahren und zur Durchführung von Untersuchungen im Internet.
- In Tübingen betreibt Ulf Reips das "Web-Labor für experimentelle Psychologie".
- Die Zentralstelle für psychologische Information und Dokumentation (ZPID) als überregionale und zentrale Dokumentations- und Informationseinrichtung für das Fach Psychologie in Deutschland ist seit 1996 im WWW präsent und bietet dort umfangreiche und vielfältige Fachinformationen an.
- Der Verlag Pabst Science Publishers bringt in Zusammenarbeit mit der Fachgruppe Methoden der DGPs in Gestalt von "Methods of Psychological Research" das erste deutschsprachige psychologische Online-Journal im WWW heraus.
Schließlich ist - die Verlagsgruppe Hogrefe/Huber mit einer umfangreichen Präsentation ihres Angebots im WWW vertreten. Sie macht seit kurzem auch den Adressenteil des bekannten "Psychologenkalenders" sowie einen Veranstaltungskalender online verfügbar.
Die Koordination und Unterstützung durch die DGPs dient in diesem Zusammenhang folgenden Zielen:
- Vermeidung von Doppelarbeit und Konflikten,
- Klarstellung von Trägerschaft und langfristiger Verfügbarkeit sinnvoller Dienste,
- Sicherung von Qualität und Authentizität der Informationen durch die Definition von technischen und inhaltlichen Standards sowie
- weitere Verbesserung der Nutzungsmöglichkeiten.
2.1 DGPs online, der Informationsdienst der DGPs
Als ersten eigenen Beitrag zum Informationsangebot im Internet hat die DGPs im Herbst 1995 ihren elektronischen Informationsdienst "DGPs online" (1) gestartet, der sich einer regen Nutzung durch Mitglieder, Nichtmitglieder, Psychologen und Nicht-Psychologen erfreut.
Die wesentlichen mit dem Dienst verbundenen Ziele sind die rasche und kostengünstige Verbreitung gesellschaftsbezogener Informationen sowie die Förderung fachbezogener Kommunikation und Information innerhalb und außerhalb der Gesellschaft. Neben globalen gesellschaftsbezogenen Informationen (z.B. zu Satzung, Vorstand, Sitzungen) bietet DGPs online insbesondere einen Stellenmarkt für wissenschaftliche Psychologinnen und Psychologen (2) sowie Mitgliederverzeichnisse für die DGPs und ihre Untergliederungen (Fach- und Regionalgruppen) an. Darüber hinaus gibt es Informationen zur Forschungsförderung und vielfältige Verweise auf sonstige wissenschaftliche Quellen im Internet (s.a. Krantz, 1995, für den Online-Informationsdienst der American Psychological Society APS). Wann immer dies möglich und sinnvoll ist, wird hierbei auf vertrauenswürdige, von kompetenten Personen gewartete Zusammenstellungen von Informationen verwiesen. Im Sinne einer verteilten Bewertung von Informationen im WWW können diesbezügliche Adressen in Anlehnung an das "Rating Project" der APS mit einem Formular direkt in DGPs online erfaßt, klassifiziert und bewertet werden. Eine Funktion von DGPs online ist damit auch der Einstieg in das WWW-basierte wissenschaftlich-psychologische Informationsangebot.
Die fachinterne wissenschaftliche Kommunikation insbesondere innerhalb der Fachgruppen und zwischen Mitgliedern und Vorstand wird durch E-Mail-Verteiler und themenzentrierte Diskussionsforen unterstützt; eine Übersichtsseite macht die WWW-Angebote (z.B. zu Homepage, Mitteilungen, Mitgliederverzeichnis, E-Mail-Verteiler, Expertendatenbank) der einzelnen Fachgruppen transparent.
Weitere Planungen sehen Dienstleistungen auf der Basis von CSCW-Systemen (Computer Supported Cooperative Work, z.B. "Basic Support for Cooperative Work", BSCW; Bentley, Horstmann & Trevor, 1997) zur Unterstützung von Arbeit in Gruppen durch gemeinsames Bearbeiten von Texten, gemeinsame Text- und Datenbestände usw. vor. Ein Testbetrieb (3) läuft bereits.
2.2 Die Expertendatenbank der DGPs
Unter anderem zur Verbesserung der psychologischen Öffentlichkeitsarbeit und des Informationsflusses zwischen wissenschaftlicher Psychologie und Massenmedien plant die DGPs eine Expertendatenbank für den Bereich der wissenschaftlichen Psychologie. Im Spannungsfeld zwischen dem Konkurrenz- und Termindruck des Journalisten und den Kriterien der Wissenschaftler soll die Expertendatenbank zu einzelnen Gebieten der Psychologie Informationen über kompetente Ansprechpartner (Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler) vermitteln (vgl. Meier, 1997; s.a. Simonis, 1993, für ein entsprechendes Lexikon für den Bereich Ökologie). Technisch-organisatorisch ist an eine aus dezentral vorhandenen und gewarteten Angaben zusammengeführte, via WWW zugreifbare Datenbank gedacht. Entsprechend diesem zweistufigen Konzept sollen die Daten, d.h. Stichworte und Beschreibungen der Experten, von den Fachgruppen gesammelt, geprüft, zugeordnet und gewartet werden (4); sie wären zusätzlich über eine zentrale Datenbank und ein entsprechendes Rechercheformular zugänglich. Zugriffe sollen normalerweise über dieses WWW-Formular erfolgen; bei Bedarf sollen Anfragen durch eine(n) Moderator(in) unterstützt werden können. Wesentliche Merkmale der Datenbank sollen ein Personen- und Sachregister sein, die eng miteinander verflochten sind. Das Personenregister soll Angaben zu den Experten enthalten (inkl. Namen, Adressen, Arbeitsbereiche, Stichworte und Darstellung des jeweiligen Feldes der Expertise); das Sachregister soll hierarchisch geordnet sein. Zentrale Komponenten sollen auch dezentral gewartet werden können.
Ein Zugriff auf die Expertendatenbank soll in erster Linie Journalisten möglich sein (Kontrolle ggf. über Rücksendeadressen usw.); als Varianten sind vorgesehen:
- Hierarchische Suche über das Sachregister,
- Stichwortsuche (Sachregister und Volltextretrieval über die Einträge) und
- Anfrage an die moderierende Person.
Alle Anfragen und Antworten an das System sollen protokolliert und zur fortlaufenden Optimierung herangezogen werden können.
Der DGPs soll die Gesamtkoordination und Sicherstellung der wissenschaftlichen Qualität der Expertendatenbank obliegen; letztere soll in enger Kooperation mit den Fachgruppen gewährleistet werden. Einige Fachgruppen (Allgemeine Psychologie, Arbeits- und Organisationspsychologie, Pädagogische Psychologie, Sozialpsychologie, Umweltpsychologie) bieten bereits Informationen zu diesem Themenkreis im Internet an, andere verfügen über entsprechende Listen und einige weitere haben Koordinatoren für die Zusammenstellung der Angaben benannt. Zur Vereinfachung der weiteren Verarbeitung sollen die Angaben der Fachgruppen in einem einheitlichen Format erfaßt werden. Die Zusammenfassung, Aufbereitung und die Bereitstellung adäquater Recherchemöglichkeiten könnte etwa im Rahmen von DGPs online, ggf. durch Drittmittel gefördert, geleistet werden.
Die Expertendatenbank könnte später in den vom BMBF geförderten deutschen "Expertenmakler" ("Infodienst Wissenschaft", s. z.B. Meier, 1997) eingebunden werden. Dieses vom BMBF geförderte und in Zusammenarbeit der Hochschulen Bochum, Bayreuth und Clausthal entwickelte und betriebene System basiert derzeit noch auf einem anderen Prinzip: Es fungiert als Schnittstelle zwischen Journalisten und den Pressestellen von ca. 150 angeschlossenen Forschungseinrichtungen und forschungsfördernden Institutionen; Anfragen werden fachbezogen anhand eines E-Mail-Verteilers weitergeleitet; Pressemitteilungen werden archiviert und sind recherchierbar. Eine dem DGPs-Konzept ähnliche Funktionalität, die Erweiterung des derzeit vorwiegend auf E-Mail-Verteilern basierenden Systems um eine datenbankähnliche Komponente (vgl. ProfNet (5)), ist geplant; die Integration der DGPs-Expertendatenbank dürfte daher keine größeren Probleme bereiten.
2.3 Mit dem Informationsangebot im WWW zusammenhängende Probleme
Neben allen Vorteilen des Mediums WWW/Internet dürfen aber die durch das dezentrale, unkoordinierte und letztlich unkontrollierte Vorhalten und Anbieten der Informationen hervorgerufenen, z.T. gravierenden Probleme nicht vergessen werden:
- Die Informationen sind oft schwer auffindbar i.a. ist nicht einmal bekannt, ob sie überhaupt existieren. Die gängigen Suchmaschinen für das Internet bieten hier meist keine Hilfestellung (s.u.).
- Die Herkunft der Informationen ist oft nicht nachvollziehbar.
- Wenn der Anbieter dem Nutzer nicht unmittelbar bekannt ist, ist die Qualität der angebotenen Informationen in der Regel unklar.
- Für Online-Informationen existieren weder ein allgemein verbindliches Klassifikations- noch ein Bewertungssystem i.S. einer Qualitätssicherung, wie sie aus den papierbasierten Publikationsmedien bekannt sind.
- Die im Internet allgemein verfügbaren Zugriffsmechanismen über Suchmaschinen basieren durchweg auf dem Prinzip der Volltextrecherche, ggf. ergänzt um zusätzliche Mechanismen wie intelligente Filter und Agenten. Damit ergeben sich zwar einerseits gegenüber papierbasierten Publikationsmedien neue und sehr weitreichende Möglichkeiten andererseits kann bei der Recherche nicht ohne weiteres zwischen den verschiedenen Funktionen eines Wortes unterschieden werden: ein Name kann sich etwa auf den Autor eines Artikels, ein Produkt, einen Eintrag in einem Literaturverzeichnis usw. beziehen (s. hierzu auch Lynch, 1997). Um über Suchmaschinen an relevante Informationen zu gelangen, sind daher u.U. gewisse Tricks erforderlich. Abgesehen davon sind so nur textuell vorliegende Informationen zugänglich andere Typen von Informationen sind auf diesem Wege praktisch gar nicht indizierbar und damit auch kaum recherchierbar.
All diese Probleme dürften durch die zunehmende Verbreitung und Nutzung des Mediums in Zukunft deutlich verschärft auftreten und nur ein frühzeitiger Einsatz von Gegenmaßnahmen kann einen letztlich chaotischen Zustand verhindern und damit auch langfristig den Nutzen des Mediums sichern helfen.
3 Kooperationen mit anderen Fachgesellschaften im Bereich IuK
Aufgrund der in verschiedenen Disziplinen rasch fortschreitenden Nutzung von IuK-Techniken wurden die damit zusammenhängenden Probleme dort z.T. früh erkannt und teilweise auch schon angegangen. In diesem Sinne haben die vier wissenschaftlichen Fachgesellschaften der Mathematiker (DMV), Chemiker (GDCh), Physiker (DPG) und Informatiker (GI) im Mai 1995 eine für weitere Partner offene Kooperationsvereinbarung (vgl. Wissenschaftliche Fachgesellschaften, 1995a) geschlossen, deren Ziele vor allem die Schaffung eines möglichst vollständigen, klar strukturierten und kostengünstigen Informationsangebots in ihren Wissenschaften sowie von effizienten und intuitiv handhabbaren Retrievalsystemen für den Zugriff auf die Informationen sind (s. Grötschel & Lügger, 1995). Vor kurzem sind die Fachgesellschaften der Erziehungswissenschaftler (DGfE) und der Soziologen (DGS) der Vereinbarung beigetreten; einige weitere lassen sich als sog. assoziierte Mitglieder von Vollmitgliedern vertreten. Die mit der Vereinbarung direkt zusammenhängenden Aktivitäten (u.a. der jährlich stattfindende gemeinsame Workshop) werden aus Mitteln des BMBF gefördert (Wissenschaftliche Fachgesellschaften, 1995b). Nach entsprechenden Sondierungen und Planungen hat der Vorstand der DGPs auf seiner Sitzung im Januar 1996 die Vorbereitung eines Beitrittsgesuchs beschlossen; auf der Sitzung im April wurde ein entsprechender Text verabschiedet und der Antrag nachfolgend eingereicht. Im Juli wurde er positiv beschieden.
Neben allgemeinen fördernden Maßnahmen kann der konkrete Beitrag der wissenschaftlichen Fachgesellschaften bei der Neugestaltung, Formung und Weiterentwicklung der IuK-Landschaft insbesondere in den folgenden Bereichen gesehen werden:
- Anregung von Diskussionen über die Anforderungen an die IuK-Systeme;
- fachübergreifende Abstimmung der Anforderungsprofile;
- Richtlinien für die fachbezogene Strukturierung des Informationsangebots;
- Mitwirkung bei der Entwicklung fachbezogener Konzepte zur Qualitätssicherung im Bereich elektronischer Informationen (s.a. Harnad, 1995);
- fachbezogene Beiträge zur Diskussion schwieriger und z.T. strittiger Rahmenfragen im technischen und gesellschaftlichen Bereich (Vernetzung, Urheberrecht, Dokumentenformat, usw.) (vgl. Wissenschaftliche Fachgesellschaften, 1995a und 1995b).
Grundsätzlich sollte die DGPs vor allem im Rahmen der Koordination, Information und Qualitätssicherung aktiv werden.
Die angestrebte interdisziplinäre Koordination und Kooperation soll einerseits zu einer Abstimmung und Bündelung der Aktivitäten im Bereich IuK beitragen. Andererseits sollen über eine ausschließlich auf technische Fragestellungen ausgerichtete Kooperation hinaus die vorhandenen spezifischen fachlichen Kompetenzen der Mitglieder der DGPs eingebracht werden (z.B. zu multimedialen Lehr-/Lernsystemen). Wichtige Bereiche psychologischer Forschung wiederum könnten von einer engen Zusammenarbeit profitieren. Daraus könnten auch gemeinsame Projekte erwachsen. Nicht zuletzt stellt das Umfeld der IuK-Kommission einen guten Rahmen dar für Anträge auf Fördermittel zur Verbesserung der IuK-Situation innerhalb der Psychologie. Erste diesbezügliche Aktivitäten sind im Rahmen der GLOBAL-INFO-Initiative (Bundes ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie [BMBF], 1997) geplant.
Folgende Themenbereiche könnten im Rahmen der Zusammenarbeit mit den übrigen Fachgesellschaften angegangen werden:
3.1 Metadaten, Indizierung und Verbreitungpsychologischer Online-Informationen
Das Spektrum relevanter wissenschaftlich-psychologischer Online-Informationen reicht von speziell für das WWW erstellten Werken wie Online-Büchern über Preprints, Dissertationen, Habilitationsschriften, ausgewählte Studien- und Diplomarbeiten, Softwaresammlungen sowie Datensätze aus empirischen Untersuchungen bis hin zu lehrbezogenen Materialien wie Vorlesungsskripten und organisatorischen Informationen zu Instituten und Personen. Wie schon angedeutet, ist ein reines Volltextretrieval für Online-Informationen nicht ausreichend. Zur Verbesserung der Informationssuche ("Finden") im WWW kommen im wesentlichen die folgenden Maßnahmen in Betracht:
- Verbesserungen der gängigen Suchmaschinen (Probleme: Betreiber haben keinen Bezug zu einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen; ein Eingehen auf Besonderheiten ist daher nicht zu erwarten);
- der Einsatz von "intelligenten" Agenten, die "im Hintergrund" nach für den Benutzer relevanten Informationen suchen (Probleme reichen von der Spezifikation der Benutzerwünsche bis zur "richtigen" Verarbeitung und Bewertung aufgefundener Seiten);
- verbesserte Ausbildung der Benutzer (Probleme: Aufwand und Motivation aus der Sicht vieler Benutzer handelt es sich hierbei um unnötiges Wissen, das allenfalls wegen der Unzulänglichkeit technischer Systeme erforderlich ist) sowie
- strukturelle Änderungen am Informationsangebot selbst (Probleme: Mehraufwand bei der Dokumentenerstellung; Mehrdeutigkeiten z.B. von Klassifikationen usw.).
Im Sinne von (4) werden den gespeicherten Informationen bestimmte Zusatzinformationen ("Metadaten", z.B. Autor, Titel, Abstract, Datum, Stichworte, Fachgebiet, Klassifikation u.a.) hinzugefügt, die sie besser recherchierbar machen bzw. überhaupt erst für die Nutzung erschließen; diese Daten werden in einem fachspezifischen Index-Server aufbereitet (ein Beitrag der DGPs könnte ein solcher Index-Server sein (s.u.) (s.a. Dalitz, Grötschel, Heyer, Lügger & Sperber, 1996). Weil Metadaten nicht mit hinreichender Genauigkeit und Zuverlässigkeit automatisch erschlossen bzw. generiert werden können, werden sie traditionell z.B. im Rahmen der Pflege zentraler Literaturdatenbanken durch fachkundiges Personal hinzugefügt. Dieses Verfahren stößt nicht zuletzt mit dem Anwachsen der Informationsmenge an Grenzen und bedarf einer Unterstützung von Seiten der Autoren mittels leicht nutzbarer Werkzeuge, mit denen Metadaten in einem einheitlichen Format (z.B. Dublin Core bzw. Warwick Framework) und gemäß einer einheitlichen Klassifikation vorerhoben, direkt als Teil des betreffenden Online-Dokumentes gespeichert und zur Indizierung verwendet werden können.
Neben der Entwicklung bzw. Empfehlung eines Metadatensystems sollte sich die Psychologie auch bei der Erarbeitung bzw. Empfehlung eines zur Klassifizierung von Online-Informationen geeigneten Systems, bei der Aufstellung eines Kriterienkatalogs für die Einstufung bzw. Bewertung des Materials sowie bei der Organisation eines (verteilten) sog. Preprint-Dienstes (s. Stix, 1995 und Ginsparg, 1994) engagieren. Dabei kommt der Vielzahl der in geringen Stückzahlen aufgelegten Instituts- und sonstigen Forschungsberichten eine besondere Rolle zu: Ihre Funktion ist primär die frühzeitige Information der Fachkolleginnen und -kollegen über den erreichten Forschungsstand; entsprechend werden sie gezielt an eine bestimmte Zielgruppe versandt. Damit sind zumindest zwei Probleme verknüpft: Personen außerhalb dieser Gruppen haben nicht ohne weiteres Zugang zu diesen Informationen, und bei der Erstellung sowie beim Versand entstehen nicht unerhebliche Kosten. Eine Verbreitung über das WWW inkl. der Erfassung in einem sehr zeitnah arbeitenden, Metadaten nutzenden Indizierungssystem (z.B. Harvest oder Nordic Web Index) und der Distribution mittels eines Profildienstes, über den die angeschlossenen Teilnehmer entsprechend individuell vorgegebener Kriterien automatisch über neue Dokumente informiert werden können, dürften hier hilfreich sein. Das System sollte auch die Bewertung der Informationen etwa im Sinne eines Review-Systems erlauben (6) (s.a. Harnad, 1995). In diesen Bereichen kann auf umfangreiche technische und organisatorische Erfahrungen anderer Fachgesellschaften zurückgegriffen werden (Projekt MATH-NET: Dalitz et al. 1996; Projekt MEDOC: Breu & Brüggemann-Klein, 1997).
3.2 Dissertationen Online
Die gängige Praxis bei der Veröffentlichung von Dissertationsschriften bringt eine Reihe von Problemen mit sich. Sie betreffen sowohl den Autor als Anbieter der Informationen (z.B. hohe Kosten) als auch den Leser (z.B. lange Zugriffszeiten). Hier kann die elektronische Bereitstellung der Texte eine drastische Verbesserung bringen - allerdings sind wichtige grundsätzliche Fragen wie Copyright, Dokumentenformat und die insbesondere bei nichtlinearen Texten oder Multimediadokumenten nicht-triviale dauerhafte Speicherung zu klären. Gemäß einer einschlägigen Empfehlung (Niedersächsischer Beirat für Bibliotheksangelegenheiten, 1996) sind konventionell gedruckte Exemplare weiterhin erforderlich für den Fachbereich bzw. die Fakultät, die lokale Bibliothek, ggf. das jeweils zuständige Sondersammelgebiet sowie die Deutsche Bibliothek, sodaß eine Mindestanzahl von vier Exemplaren ausreichend sein dürfte. Die Promotionsordnungen müßten dahingehend modifiziert werden, daß die geeignete elektronische Speicherung als verlagsäquivalente Publikation angesehen und damit -ggf. zusammen mit der Ablieferung der Mindestexemplare- der Publikationspflicht Genüge getan werden kann. Die DGPs könnte hier entsprechende Empfehlungen unterstützen bzw. erarbeiten.
Ein Prototyp eines verteilten Online-Volltextarchives für Dissertationen als Teil einer digitalen Forschungsbibliothek ist im übrigen Gegenstand eines im Rahmen der Kooperation der wissenschaftlichen Fachgesellschaften (s.u.) beantragten und von der DFG geförderten Projekts (Wissenschaftliche Fachgesellschaften, 1996).
4 Strategische Planungen der DGPs:Vision für die nächsten Jahre
Die nachfolgenden Vorschläge entsprechen der mittelfristigen Planung der DGPs im Bereich IuK (Planungshorizont ca. 1997-2000). Die weitere Ausdifferenzierung und Umsetzung erfordert eine Abstimmung bzw. enge Kooperation ggf. auch eine Übertragung der Federführung u.a. mit den folgenden Stellen und Einrichtungen:
- Zentralstelle für Psychologische Information und Dokumentation in Trier,
- Sondersammelgebiet Psychologie an der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek in Saarbrücken,
- andere psychologische Verbände im deutschsprachigen (BDP, BÖP, SGP, ...) bzw.
- internationalen Raum (APA, APS, IUPsyS,...),
- einschlägige Verlage wie Hogrefe/Huber, Pabst u.a.,
- die in der IuK-Kommission mitarbeitenden wissenschaftlichen Fachgesellschaften anderer Disziplinen sowie
- weitere relevante Institutionen wie etwa die Deutsche Bibliothek in Frankfurt.
Dies gilt auch für benachbarte Projekte wie SUBITO und JASON.
Selbstverständlich ist die Gesellschaft bei den genannten Vorhaben auf die Mitwirkung kompetenter Personen aus dem Kreis ihrer Mitglieder, insbesondere auch der Fachgruppen, angewiesen.
Teilziele sind insbesondere:
- IuK-Kommission der DGPs: Einberufung einer innerhalb der DGPs für die weitere Fortschreibung und Umsetzung der Planungen zuständigen Kommission (ist bereits erfolgt).
- Beteiligung der DGPs an der Kooperationsvereinbarung der wissenschaftlichen Fachgesellschaften (Aufnahme erfolgt; nachfolgend Benennung der Vertreter der DGPs für dieses Gremium).
- GLOBAL-INFO: Beteiligung im Rahmen der IuK-Initiative der Fachgesellschaften.
- DGPs online: langfristige Sicherstellung des Betriebs des gesellschaftseigenen Informationsdienstes und weiterer Ausbau (IuK-Informationspool, Unterstützung der Mitgliederverwaltung, Möglichkeiten für Gruppenarbeit (CSCW), elektronische Kongreßdienste usw.)
- Fortschreiben der Richtlinien für das Zitieren von Online-Quellen (Deutsche Gesellschaft für Psychologie [DGPs], 1997).
- Experten-Datenbank: Benennung eines verantwortlichen inhaltlichen und eines technischen Koordinators; Fortschreibung der Planungen; Realisierung.
- Metadaten und Metaindex:
- Fachspezifische Ergänzungen zum Dublin Core Modell; Empfehlungen zur Umsetzung des diesbezüglichen Metadatenkonzepts;
- Indizierung psychologischer Online-Dokumente (z.B. auf der Basis von Systemen wie "Harvest" oder "Nordic Web Index") unter Verwendung der einheitlichen Metadaten.
- Online-Dissertationen: Mitarbeit bei der Klärung bestimmter Fragen wie Sicherstellung der langfristigen Speicherung usw.; Empfehlungen zur Anpassung von Promotionsordnungen.
- Arbeitstreffen und Öffentlichkeitsarbeit bzw. Informationsdissemination:
- DGPs-Workshop auf dem gemeinsamen IuK-Workshop der wissenschaftlichen Fachgesellschaften (16.-18.3.98 in Hamburg);
- Informationsveranstaltung und ggf. Vorstellung von Planungen und/oder Realisierungen auf dem DGPs-Gesellschaftskongreß (27.9.-1.10.98 in Dresden).
- Beantragung von Fördermitteln für die Koordination und die Realisierung fehlender Komponenten eines wissenschaftlichen psychologischen Informationssystems im Internet (s.a. Dalitz et al., 1996).
- Unterstützung für die Institute: Unterstützung der an Psychologischen Instituten im Bereich IuK aktiven Personen durch koordinierende und kooperationsfördernde Maßnahmen (u.a. elektronisch gestütztes Netzwerk); evtl. Bemühung um Anschubfinanzierungen.
Literaturverzeichnis
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Wissenschaftliche Fachgesellschaften (1995b). Elektronische Information und Kommunikation in Wissenschaft und Technik in Deutschland. Entwicklung von Konzepten zur Neugestaltung der elektronischen Information und Kommunikation in Wissenschaft und Technik (Hochschulen) durch die 4 Fachgesellschaften DMV, DPG, GDCh und GI (Projektantrag an das BMFT). Auch als elektronisches Dokument unter http://elfikom.physik.uni-oldenburg.de/IuK/rahmen/rahmen.html.
Wissenschaftliche Fachgesellschaften (1996). Bundesweites und fachübergreifendes Pilotvorhaben zum Aufbau eines verteilten Online-Volltextarchives für Dissertationen als Teil der digitalen Forschungsbibliothek (Antrag auf Förderung durch die DFG).
Fußnoten
- (1)
- DGPs online ist "Gast" am von der Abteilung Allgemeine Psychologie (Prof. Dr. Hans Spada) seit 1994 betriebenen WWW-Server des Psychologischen Instituts der Universität Freiburg (http://www.psychologie.uni-freiburg.de/).
- (2)
- Der Stellenservice umfaßt auch einen Profildienst, über den neu eingehende Informationen an derzeit nahezu 800 angeschlossene Teilnehmer versandt werden; für diesen Dienst wird kein kommerzieller Provider verwendet - die Mitteilungen sind daher frei von Werbematerial.
- (3)
- Einen ersten Zugang bei DGPs online erhält man über die URL http://www.dgps.de/pub/german.cgi?op=rmail; alle weiteren Zugriffe erfolgen über http://www.dgps.de/bscw/bscw.cgi.
- (4)
- Die Fachgruppe Arbeits- und Organisationspsychologie verwaltet bereits eine ähnliche Datensammlung in Form einer Datenbank (http://sanus.uni-wuppertal.de/fg/#beratung
); da DGPs online dasselbe Datenbanksystem verwendet, wäre ein Abgleich mit einer zentral bei der DGPs geführten Datenbasis hier besonders einfach. - (5)
- ProfNet (http://www.profnet.com) ist eine von den beteiligten Institutionen geförderte Organisation, die über Angaben zu ca. 2700 Personen in 17 Ländern verfügt. Dabei handelt es sich typischerweise um die Mitarbeiter der Pressestellen der Einrichtungen. Eingehende Anfragen werden über E-Mail-Verteiler verbreitet. ProfNet ist ein "Vorbild" für den deutschen "Expertenmakler".
- (6)
- Aufgrund des Umfangs würden die damit verbundenen Arbeiten sinnvollerweise im Rahmen eines z.B. von der DFG oder dem DFN geförderten Projekts durchgeführt.
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