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Laudatio Theo Herrmann

Mit Theo Herrmann ehrt die wissenschaftliche Psychologie in Deutschland einen ihrer facettenreichsten Vertreter, der in den Bereichen der Persönlichkeitspsychologie, der Theoretischen Psychologie und der Sprachpsychologie herausragende Werke geschaffen und bleibende Spuren hinterlassen hat.

Nach Abschluss des Studiums der Psychologie an der Universität Mainz (1954) und der Promotion (1956) arbeitete er zunächst als Betriebspsychologe in Norddeutschland, bevor er wieder an die Universität Mainz zurückkehrte und sich dort im Jahr 1963 habilitierte. Schon ein Jahr später wurde er als Ordinarius an die Technische Universität Braunschweig berufen, wo er sich zunächst der Erforschung der elterlichen Erziehung widmete. Aus diesen Arbeiten resultiert sein einflussreiches und zusammen mit K. Stapf und K.H. Stäcker verfasstes Buch zur „Psychologie des elterlichen Erziehungsstils“. Im Jahr 1968 wechselte Theo Herrmann an die Universität Marburg. Dort verfasste er sein für viele Generationen von Psychologiestudierenden maßgebliches „Lehrbuch der empirischen Persönlichkeitsforschung“ (1969; 6. Aufl. 1991).

In die nächsten zehn Jahre fallen wichtige Veröffentlichungen zu den wissenschaftstheoretischen Grundlagen der Psychologie. 1973 legte er mit seinem Buch „Persönlichkeitsmerkmale“ die nach wie vor differenzierteste Analyse der für die Persönlichkeitspsychologie und Differentielle Psychologie grundlegenden Kategorien der Disposition und Eigenschaft vor. In seinem 1976 erschienenen Buch „Die Psychologie und ihre Forschungsprogramme“ machte er die neuesten Entwicklungen im Bereich kritisch-rationalistischer Wissenschaftstheorie für die Psychologie fruchtbar und beschrieb Psychologie „als ein Flechtwerk sich wandelnder wissenschaftlicher Problemlösungsprozesse“. In seinem Buch „Psychologie als Problem“ (1979) setzte er sich auf dem Hintergrund dieser Rekonstruktion der Psychologie mit aktuellen Fragen der Faches auseinander, die bis heute nichts von ihrer Relevanz verloren haben – z.B. mit der Beziehung zwischen Psychologie als Grundlagenwissenschaft und als angewandte Disziplin oder mit ethischen Problemen des psychologischen Experimentierens. Wenn sich die Psychologie in den deutschsprachigen Ländern heute als weitgehend experimentell orientierte empirische Disziplin im Spannungsfeld zwischen Sozial- und Naturwissenschaften begreift und dies mehrheitlich vor dem Hintergrund eines kritisch-rationalistischen Wissenschaftsverständnisses tut, so ist dies vor allem Theo Herrmanns Verdienst und belegt die Überzeugungskraft seiner Argumentationen.

Ab etwa Mitte der siebziger Jahre konzentrierten sich die Forschungsarbeiten Theo Herrmanns auf die Erzeugung sprachlicher Äußerungen und deren Zusammenhang mit dem Denken, der Raumkognition und anderen kognitiven Vorgängen. Diese Arbeiten baute er nach dem Wechsel an die Universität Mannheim im Jahr 1977 aus und fasste sie in mehreren einflussreichen Büchern wie „Allgemeine Sprachpsychologie“ (1985), „Sprechen: Psychologie der Sprachproduktion“ (mit J. Grabowski, 1994) und „Sprache verwenden“ (2005) zusammen. Theo Herrmann prägte dabei die Sprachpsychologie in eigener Weise. Es geht ihm vorwiegend darum, Sprachpsychologie als Problemfeld zu konzipieren, das als Teilbereich der Allgemeinen Psychologie nur unter gleichzeitiger Berücksichtigung anderer allgemein-psychologisch zentraler Konzepte wie etwa der Wahrnehmung und dem Denken angemessen untersucht werden kann. Sprachproduktions- und verstehensprozesse können demnach nicht isoliert von Denkprozessen betrachtet und sollten auch immer unter der sozialen Perspektive der Situiertheit sowie der Partnerbezogenheit analysiert werden.

Die außerordentliche Bedeutung und der prägende Einfluss des wissenschaftlichen Werks von Theo Herrmann auf nachfolgende Generationen stehen außer Frage. Er ist anerkannter Experte auf den Gebieten der Theoriebildung und der Forschungsmethodik der Psychologie, der stets den besonderen Stellenwert des experimentellen Zugangs betont hat. Neben den genannten Buchveröffentlichungen und Mitherausgeberschaften in der Enzyklopädie der Psychologie, die seinen besonderen Stellenwert und seine Bedeutung für die deutschsprachige Psychologie illustrieren, liegen weitere etwa 200 Publikationen vor, die seinen Ideenreichtum, sein hohes wissenschaftliches Renommee und seinen Einfluss auf die wissenschaftliche Diskussion in der Psychologie belegen.

Sein herausragendes Engagement für die deutschsprachige Psychologie zeigt sich nicht zuletzt auch in seiner bis heute andauernden Tätigkeit für die Deutsche Gesellschaft der Psychologie, der er als Präsident und Vizepräsident vorstand und die ihm 1998 ihre Ehrenmitgliedschaft verlieh.

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